Was habe ich bisher in meinem Leben erreicht? Wenn ich nicht mehr hier wäre, wem würde ich wirklich fehlen? Welchen Sinne hatten die vielen vergangenen Jahre? Wieso kann ich meine Lebensträume nicht verwirklichen? Normal treten diese Fragen kurz nach der Pensionierung auf. Was aber, wenn man sich diesen Fragen schon mit knapp 24 stellt? Natürlich bin ich nach wie vor ein lebensfroher und -lustiger Mensch und auch die Wahrscheinlichkeit, dass ich in der nächsten Zeit freiwillig auf ein Bahngleis falle, ist recht gering… Dennoch stelle ich mir nach nunmehr knapp 3 Jahren Arbeitslosigkeit viele Fragen und sehe mich in einer Art Sackgasse. In dieser Zeit habe ich PC’s geschraubt, war auch ein halbes Jahr erfolglos selbstständig und habe mich knapp ein dreiviertel Jahr, knapp 8 Stunden am Tag, ehrenamtlich um Jugendliche gekümmert. Nun sitze ich als Aushilfe hinter einer Buchmacher-Kasse und sauge jedes sinnvolle Gespräch mit Kunden wie einen trockenen Schwamm in mich auf. Musikalisch passiert derzeit nichts mehr, meinen Freundeskreis kann ich an einem Fingernagel abzählen und Besserung ist nicht in Sicht…

Angesichts der oben stehenden Fragen und Gedanken könnte man meinen, dass ich in einer tiefer Depression stecke und vor Selbstmitleid zerfließe… Dem ist aber nicht so. Grund hierfür ist wohl die beste Frau der Welt, die mich jeden Tag wieder daran erinnert, dass man auch in einer Sackgasse ausreichend gut leben kann. So stelle ich gedanklich zwei Klappstühle auf und setze mich mit Silvi vor diese große, große Wand aus rotem Backstein. Den Anblick der kalten Ziegel genieße ich inzwischen schon fast. Eine Tür sehe ich dort im Moment nicht, aber wer weiß… Es gab ja schon eine bekannte Mauer, die gefallen ist, oder? Vielleicht fällt diese Mauer eines Tages ebenfalls?!? Wir warten drauf und genießen bis dahin unser wirklich glückliches Leben. Danke, JoJo…