Wie man doch mit einem Abendessen eine regelrechte Illusions-Dynastie ungespizt in den Boden Stampfen kann. Wie gerne gehen wir doch „chinesisch“ essen… Wie gerne haben wir ganze Abende im „China“-Restaurant verbracht und uns die Enten mit Erdnusssauce und Pappreis förmlich in den Hals gepresst. Heute Abend waren wir mit meinem Kollegen Tian in einem RICHTIGEN China-Restaurant und dieser Abend hat bei mir regelrecht Spuren hinterlassen. In Hannover gibt es für dieses Erlebnis nur eine Adresse.

Aber was macht ein ECHTES China-Restaurant aus? Alles begann mit den Tischen. Die Tische sind überwiegend rund und mit integrierter Drehplatte bestückt. Im Restaurant saßen nahezu ausschließlich Asiaten, was bereits einen sehr „echten“ Eindruck machte. Unsere Bestellungen nahm dann Tian selbst in die Hand und wir wagten damit das Experiment „Essen wie in China“. Ungewöhnlich früh kam dann die erste kleine Schale mit unbekanntem Inhalt. Dieser entpuppte sich als „gebackener Rettich“ und schmeckte fantastisch. Der zum Essen gereichte Jasmin-Tee harmonierte ideal mit dem ebenfalls warmen Essen. Auch die folgenden Schalen waren gefüllt mit allerlei Leckereien, die wir (natürlich mit Stäbchen) direkt über eine Schale zum Mund transportierten. Keine Spur von Reis oder dem üblichen „Ego-Essen“. Das Essen war Gesellschaft und kulturelles Neuland zugleich. Während wir begeistert unbekannte Nahrung aufnahmen, zerstörte Tian all unsere Illusionen von „chinesischem Essen“. „Die meisten Restaurants werden von Vietnamesen oder Koreanern geführt und führen überwiegend Essen aus Thailand oder Vietnam. Das ECHTE chinesische Essen schmeckt Europäern eigentlich nicht“, erklärte er uns. Zugegeben, laut Speisekarte hätten wir auch „gebackene Schweinedärme“ und „Hühnerfüße“ bestellen können, aber für den ersten Abend haben wir darauf vorerst verzichtet. Allerdings haben wir auch schnell festgestellt, dass uns dabei eher der Ekel als der gesunde Menschenverstand am Bestellen hindert. Denn warum sollte Schweinedarm oder gar Hund schlechter schmecken als ein Wiener Schnitzel? Logisch ist das zumindest nicht. Die Krönung kam dann aber mit der Rechnung. Für drei (vollkommen gesättigte) Personen sollte ich knapp 23 Euro auf den Tisch legen. Dieser Abend war definitiv nicht der letzte dieser Art und ein europäisches „China“-Restaurant betreten wir ab sofort sicher nicht mehr. Es geht billiger und wesentlich besser…