Während sich die Vogelgrippe über Deutschland ausbreitet und wir noch immer Gammelfleisch im Döner zu uns nehmen, habe ich für meinen heutigen Weblog-Eintrag richtig recherchiert. Grund dafür war meine Überlegung, warum alle Lebensmittelskandale sich an so einen geordneten Terminplan halten – oder wirkt das nur so? Warum hatten wir nicht Rinderwahn und Vogelgrippe zur gleichen Zeit? Forschen wir doch mal nach und behalten dabei die Jahreszahlen im Auge…

Alles begann 1985 mit dem Glykolwein-Skandal bei dem die gesundheitsgefährdende Chemikalie Diethylenglykol in unseren Weinen gefunden wurde. Millionen von Flaschen wurden daraufhin vom Markt genommen.

Der Flüssigei-Skandal wartete artig ab, bis der Glykolwein-Skandal beendet war und meldete sich erst etwas später – im Jahr 1985. Dafür sorgte er jedoch noch bis ins Folgejahr für Schlagzeilen. Der Flüssigei-Skandal führte zu einer Krise bei deutschen Nudelherstellern. Die Öffentlichkeit wurde über die Verwendung bebrüteter oder befruchteter Eier (Flüssigei) in Nudeln informiert. Für „Birkel“ endete der Skandal aufgrund der drastischen Umsatzeinbrüche im Konkurs.

Das Atomunglück in Tschernobyl 1986 und die damit zusammenhängenden Auflagen für Lebensmittel lassen wir jetzt mal aus unserer kleinen Aufzählung heraus.

1987 waren dann unsere schuppigen Meeresbewohner an der Reihe. Der Nematoden-Skandal machte uns darauf aufmerksam, dass sich Larven und Fadenwürmer in unseren Seefischen befinden können. Der Ekel darüber stürzte dann auch die Fisch-Industrie in die Krise.

13 Jahre konnte man essen was man wollte und Lebensmittelskandale gerieten in Vergessenheit. Da dies nicht so bleiben konnte, kam dann die Apokalypse pünktlich zum Millenium – BSE (im Volksmund eher als „Rinderwahn“ bekannt) erreichte Deutschland. Die 1995 in Großbritannien erstmals entdeckte Rinderseuche kostete unzähligen Rindern das Leben und hatte zum Teil groteske Ausmaße. Bis heute wurden ca. 360 BSE-Fälle in ganz Deutschland bestätigt. Die Menschen steckten ihr Geld ab sofort immer mehr in Bio-Produkte. Ein Fehler – wie sich sich nur 2 Jahre später herausstellte.

2002 kam der Nitrofen-Skandal, der das verbotenen Unkrautvernichtungsmittel Nitrofen in Futtermitteln nachwies. Dies alleine machte natürlich keinen Skandal. Wenn der Grenzwert allerdings um das 200-fache überschritten ist, ist der Skandal perfekt und die Schmöker-Blätter unseres Landes waren für Wochen prall gefüllt. Zum Glück konnte man noch mit gutem Gewissen Gemüse essen. Zudem ist Gemüse gesund. Wenn Gemüse schmecken soll, wirft man sich ein paar Pommes in die Friteuse und lässt sich das gesunde Leben gut gehen. Doch 2002 war auch das Jahr von Acrylamid. Chips, Bratkartoffeln oder Pommes – das krebserzeugende Acrylamid machte uns also auch die schönen, fleischfreien DVD-Abende zu Nichte.

Nach Flüssigei, heißen Kartoffeln, Fisch und Rind fehlt ja nur noch – richtig! 2003 folgte ganz anständig auch die Schweinepest. Damit war auch der letzte Lebensmittelsektor abgedeckt und der Verbraucher nun komplett irritiert.

2005 war dann ein regelrechtes Skandal-Jahr. Supermärkte etikettierten ihr abgelaufenes Fleisch um, Schlachtabfälle wurden in neuen Lebensmitteln verarbeitet, Babymilch enthielt die Chemikalie Isopropylthioxanthon (ITX), Gammelfleisch wurde in den verschiedensten Städten und Betrieben entdeckt und beherrschte nahezu das komplette Jahr 2005. Und dann war da noch die Vogelgrippe… Diese hat es jetzt von China über die Türkei bis nach Rügen geschafft, breitet sich nun in Deutschland aus, hat heute die erste Hauskatze befallen und lässt vielleicht die WM 2006 ausfallen. Also wenn DAS keine Leistung ist?!?

Aber was passiert, wenn die Vogelgrippe inaktuell ist und ein neuer Skandal gesucht wird? Nun, da möchte ich mich natürlich gerne anbieten. Mein Vorschlag für 2006/2007: „Fischsyphilis“. Die Fische kamen in der Skandal-Chronologie noch viel zu gut weg und 19 Jahre nach dem ersten Fisch-Skandal stehen sie eigentlich auch mal wieder auf der Liste. Die Krankheit überträgt sich direkt vom Fisch auf den Menschen und ist unsichtbar, tödlich für Mensch und Tier und überträgt sich allein per Blickkontakt. Erste Symptome beim Menschen sind: Fieber, ein Zucken in Armen und Beinen, kalter Schweiß und Lähmung der Brustmuskulatur. Wird kein Arzt gefunden, tritt der Tod nach ca. 2 Stunden ein. Also wenn DAS kein Lebensmittelskandal ist, dann kann ich nicht weiterhelfen……..

Was für einen Schluss ziehen wir aus unserer kleinen Skandal-Aufzählung? Ich möchte Lebensmittelskandale in keinem Fall verharmlosen. Mir kommt nur die Disziplin der Skandale etwas merkwürdig vor. Alles so ordentlich hintereinander und auch so bunt gemischt… Mir fällt da eigentlich nur ein Fazit ein: Lasst es Euch schmecken!