Hätte ich am vergangenen Abend nicht mein letztes Paar Straßenschuhe zerstört, wäre mein Tag heute sicher anders verlaufen. Denn so musste ich unseren Keller auf den Kopf stellen und dort ein altes Paar Schuhe finden, mit welchem ich mich dann für den Weg zur Arbeit rüstete. Die Schuhe erschienen mir zwar im strömenden Regen als etwas „straff anliegend“ – doch in der S-Bahn war ich noch guten Mutes. Dies änderte sich spätestens vor der Zentrale meines Arbeitgebers, als die ersten Schuhinnenkanten (und ein Herrenschuh hat derer viele…) Bekanntschaft mit meiner Haut machten. Bis zur Blumenauer Straße verschlimmerte sich nicht nur die Wetterlage sondern zudem auch die Situation in meinen Gehwerkzeugen. Inzwischen waren ca. vier Blasen kurz vor ihrer Öffnung und eine weitere Blase hatte diesen Status bereits überschritten. Der Schmerz war entsprechend. Da ich heute im Bistro eingeteilt war, sah ich einem schmerzhaften Tag mit unzähligen „Servicegängen“ entgegen. Doch mein chinesischer Kollege gab mir den unschlagbaren Tipp, im gegenüberliegenden Ihmezentrum nach einem Paar neuer Schuhe zu fahnden. Dies tat ich dann auch postwendend. Was ich nicht wusste: Das Ihmezentrum befindet sich seit längerer Zeit in einer umfangreichen Umbauphase. Das komplette Viertel ähnelt einer Geisterstadt. Verlassene Geschäfte, leere Büroräume und keinerlei Leben… Von einem Schuhgeschäft ganz zu schweigen… Aber der Hannes lässt sich ja nicht unterkriegen und durchstapft die komplette Einkaufspassage a. D. samt angrenzender Limmer Straße. Der enttäuschte Rückweg zu meinem Arbeitsplatz ließ sich nur noch eher torkelnd als gehend bewältigen… Dort angekommen, schickte mich mein Vorgesetzter in die Innenstadt. Hier fand ich dann, unweit der Haltestelle, ein neues Paar Schuhe, das ich umgehend mit meinen Folterwerkzeugen eintauschte. Am Abend wurden sämtliche „Reinhold-Messner-Gedächtnis-Male“ behandelt und ich werde mich nun in die horizontale legen, um von meiner laaangen Reise durch eine hannoversche Geisterstadt zu träumen.