Obwohl ich mir den Wecker meines Handys auf 6:30 Uhr gestellt hatte, brummte dieses bereits um 6:00 Uhr. Der Grund für diesen Umstand klärte sich recht schnell. Eine SMS meiner Familie machte mir Mut für den bevorstehenden Drehtag und motivierte mich, meine Aufregung, zumindest nach außen, zu unterdrücken. Beim ausgiebigen Duschen versuchte ich, die unbändige Nervosität mit Duschgel vom Körper zu schrubben und erreichte damit mehr das Gegenteil. Immer mehr dachte ich mich in den Feuerwehrmann „Stefan Wrede“ ein, der an diesem Tag meine Person bestimmen sollte. Wie duscht wohl der Feuerwehrmann „Stefan Wrede“? Was frühstückt wohl der Feuerwehrmann „Stefan Wrede“? Was trägt „Stefan Wrede“ für Kleidung? Wie wird „Stefan Wrede“ auf unangenehme Fragen des Richters oder des Staatsanwaltes reagieren? Aus der unwichtigen Rolle als Kronzeuge machte ich immer mehr eine Charakterrolle und mich damit völlig verrückt. Selbst am Frühstücksbuffet machte ich mir noch Gedanken darüber, ob „Stefan Wrede“ auch ein Brötchen mit Erdbeermarmelade und Schimmelkäse essen würde. Nachdem ich gegen 8:00 Uhr meine Minibar- und Abendbrotrechnung bezahlt und mein Gepäck im Foyer des Hotels abgestellt hatte, studierte ich ein weiteres Mal mein Drehbuch.

Wenige Minuten später lag mein Gepäck im Kofferraum eines Großraum-Taxis und ich war mit fünf weiteren Darstellerinnen und Darstellern auf dem Weg zu den SZM-Studios. Dort angekommen wurden wir sofort freundlich begrüßt: „Hi, ich bin Babsi von Mediabolo“, sagte die nette Dame mit Zopf mit einem Strahlen im Gesicht. Zum ersten Mal sah‘ ich wenig später auch Thomas Rehak unseren Redakteur, den ich bisher nur von netten Gesprächen am Telefon kannte. Wenig später trudelte das zweite Taxi ein, in dem meine Darsteller-Kollegen saßen. Es folgte eine Stunde Trockenprobe, die auch das Eis zwischen allen Beteiligten stark brökeln ließ. Trotz aller angestrebter und erreichter Professionalität war Platz für viele Lacher und jede Menge Spaß. Ich war überrascht, wie gut die erste Trockenprobe funktionierte und wie die einzelnen Rollen, die ich bisher nur aus dem Drehbuch kannte, durch ihre Darsteller in Szene gesetzt wurden. Ich freute mich immer mehr auf die bevorstehende Produktion.

Gegen Mittag folgte mein Gang zur Kostümbildnerin und in die Maske. Mit einer ordentlichen Schicht Puder bzw. Schminke schlenderten alle Beteiligten über den Studiohof und festigten alle auf ihre Weise die eigenen Textpassagen. Gegen 13:50 Uhr war es dann soweit. Die Aufnahmebänder liefen an und die Dreharbeiten zur Richter Alexander Hold-Folge „Diskoinferno“ fingen an. Gespannt verfolgte ich die Aufzeichnung auf dem Kontrollmonitor hinter den Kulissen. Alle Mitwirkenden waren mehr als perfekt und ich war stellenweise unheimlich stolz, ein Teil dieser Sendung sein zu können. Thomas Rehak hatte mit der Vorbereitung ganze Arbeit geleistet und unser Spielen mit seinen kleinen Tipps noch perfektionieren können. Als die Produktion gegen 15:25 Uhr beendet war, ging alles recht schnell. Das Studio wurde sofort für die Produktion der nächsten Folge „geräumt“ und alle Kollegen verschwanden in unterschiedlichste Richtungen. Zusammen mit „Bernhard Ebert“ alias Jean-Pierre machte ich mich auf den Weg zur S-Bahn, die uns zum Bahnhof brachte. Dort erreichten wir knapp aber pünktlich um 16:55 Uhr den letzten ICE gen Norden. Bis Kassel flachsten wir über die ereignisreichen zwei Tage und über die Welt beim Fernsehen. In Hannover holte mich Silvi vom Bahnhof ab und ich hatte so Einiges zu erzählen…