„Ja. Ich hatte an dem Tag frei und war so gegen 22 Uhr noch mal mit meinem Hund spazieren. Ich wohne in der Nähe vom ‚Madhouse‘, wissen Sie. Ja, also, ich bin da vorbei und da habe ich einen Mann weglaufen sehen.“ – und das ist nur ein kleiner Teil meines dreiseitigen Drehbuches. Eine etwas banale aber dennoch herzzerreißende Geschichte, die sich da vor Gericht abspielt. Morgen werde ich telefonisch abgehört und meine Mutter kann das Drehbuch besser als ich – also sollte ich mir das Buch heute noch vornehmen.

Der Wochenanfang begann jedoch mit einer Fahrt nach Hannover. Dort ließ ich mir von meinem derzeitigen Arbeitgeber ein Formular über Nebeneinkommen ausfüllen, da das Arbeitsamt in Burgdorf aufgrund dieses fehlenden Formulares bereits mit der Rückforderung der gezahlten Leistungen (und das waren immerhin 30 € im Monat…) gedroht hatte. Mit dem ausgefüllten und unterschriebenen Formular machte ich mich dann auf den Weg in Thomas‘ Geschäft, der mich mit nach Hause und damit zur restlichen Family nahm. Dort spielte ich ein wenig PC-Doktor, sodass meine Mutter sich nun endlich auch wieder per Mail verständigen kann. Ganz Pfadfinder hatte ich damit wieder einen Menschen glücklich gemacht – so einfach geht das. Nachdem mich meine Mutter in die heimischen vier Wände gebracht und Schuhe und Jacke abgelegt hatte, klingelte überpünktlich das Telefon. „Herr Lambert, Sie hatten sich bei uns als Call-Center-Agent beworben – besteht an diesem Job noch Interesse?“ Was für eine selten dumme Frage, dachte ich und machte einen Vorstellungstermin für den kommenden Mittwoch, 12 Uhr aus.

Auch dieser Job klang nicht gerade nach einer seriösen Arbeit bis ins hohe Rentenalter, aber in meiner derzeitigen Lage würde ich inzwischen wahrscheinlich auch für die Mafia arbeiten. Im Groben soll ich für einen gaaaaaanz bekannten Automobilclub Kunden werben. Dieser Club ist (natürlich) schon 30 Jahre auf dem Markt und ich habe dennoch nie etwas von diesem Namen gehört… Auf meine Frage, wo denn die Telefonnummern her kämen, die ich während meiner Arbeitszeit anrufen müsse, bekam ich eine überraschend ehrliche Antwort: „Die Adresse stammen aus Lotterie-Verteilern!“. Mehr wollte ich doch nicht wissen… Ich werde mich nun also am kommenden Mittwoch einmal mehr in das Vergnügen „Vorstellungstermin bei einem offensichtlich unseriösen Unternehmen“ schmeißen und hoffen, dass ich bei diesen Abenteuern nicht irgendwann mal erschossen, entführt oder gefoltert werde. Sollte ich ab Mittwoch nicht mehr erreichbar sein – hier steht der Grund dafür.